Riskantes Überholmanöver bei Nikon

General überholte Original-Produkte

Im aktuellen Nikon-Newsletter findet sich die interessante Mitteilung, dass ein Militärbediensteter offenbar an einem Produkt-LKW vorbeigezogen ist.

Das ist umso erstaunlicher, als wenige Pixel darunter völlig korrekt von „Original-Produkten“, „Nikon-Produkten“, „Fachpersonal“, „Refurbished-Produkten“ und „Zubehörteilen“ die Rede ist.

Screenshot: Michael Gsell • Text: Michael Gsell, Titus Gast

In eigener Sache: Bindestriche sind toll

Nachtrag: Unter dem Titel „Das Deppenleerzeichen gibt es nicht – eine Art Replik“ hat Dr. Kristin Kopf sich mit diesem Blog und dem dpa-Artikel zum Phänomen auseinandergesetzt. Auch das ist eine Geschichte voller Missverständnisse, die ich versuche, unten auszuräumen.

In einem aktuellen Artikel der Nachrichtenagentur dpa (der nun in mehreren Zeitungen und Onlinepublikationen zu lesen ist) wird ein Zusammenhang zwischen der Bindestrichschreibung bei „leichter Sprache“ und „Deppenleerzeichen“ hergestellt. Bzw., genau genommen referiert der Artikel nur, dass sich viele Menschen über die Bindestriche auf Wahleinladungen aufregen, aber auch über Leerzeichen in Komposita.

Zitat:

Von «Land-Tag» und «Haus-Nummer» war da die Rede, von «Vor-Name» und «Post-Leit-Zahl». Lauter Bindestriche in Wörtern, die eigentlich zusammengeschrieben werden. Das war für viele Kommentatoren zu viel, die Aufregung groß. Dabei fristet der Bindestrich seit Jahren ein kümmerliches Schattendasein. Das Deppenleerzeichen greift um sich.

Als Journalist kann ich sehr gut nachvollziehen, dass man ein eigentlich zeitloses Thema wie das „Deppenleerzeichen“ in einen aktuellen Kontext einordnen muss, wenn man darüber schreiben möchte. Das fragliche Interview mit mir liegt nun auch schon ein paar Wochen zurück, da kamen diese Bindestriche auf Wahleinladungen natürlich gerade recht.

Überflüssige Leerzeichen haben nichts mit „Leichter Sprache“ zu tun

Gestern bekam ich zwei Nachrichten (eine E-Mail, einen Kommentar), die ich erst nicht einordnen konnte: Ein Mann schickte mir einen Leserbrief, in dem er sich kritisch mit den Bindestrichen der „leichten Sprache“ auseinandersetzt, in einem Kommentar erklärte mir eine Mutter, warum Bindestriche für geistig behinderte Menschen hilfreich sind.

Als ob es darum auf diesem Blog jemals gegangen wäre! Deshalb in aller Klarheit: Bindestriche in Komposita sind toll. Wenn die immer da verwendet würden, wo sie laut Duden verwendet werden können, gäbe es dieses Blog nicht.

Barrierefreiheit ist kein Spaß

Ich habe mich ein bisschen geärgert darüber, dass dieses Missverständnis entstanden ist, als wäre dies ein Blog für „Bandwurmwörter“ und gegen „leichte Sprache“ oder als sollte man sich darüber zumindest lustig machen.

Über Anliegen wie Barrierefreiheit (und dazu zählt auch leichte Sprache) möchte ich mich ehrlich gesagt nicht so sehr amüsieren. Jeder, der auch nur mal einen Kinderwagen in einer nicht barrierefreien Umgebung durch die Gegend gewuchtet oder mit behinderten Kollegen gearbeitet hat, kann das glaube ich nachvollziehen.

Zugegeben, „leichte Sprache“ kann zunächst befremdlich wirken, ist aber in erster Linie eine Mahnung an alle, die meinen, Dinge möglichst kompliziert ausdrücken zu müssen. Ob dabei zwangsläufig die Bindestrichschreibung sein muss, kann und möchte ich mangels Erfahrung mit sprachlich eingeschränkten Personen nicht beurteilen. Ich bin aber der Mutter, die hier gestern Abend kommentiert hat, sehr dankbar dafür, dass sie uns dabei hilft.

Bindestriche sind keine Leerzeichen

Auf dieser Website geht es einzig und allein um Leerzeichen in Komposita. Bindestriche sind Striche. Leerzeichen sind keine Striche. So einfach ist das und so soll es bitte auch bleiben.

Nachtrag 6.5.: „Deppenleerzeichen gibt es nicht“

Auch eine andere Interviewpartnerin des dpa-Autoren war nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis ihres Interviews. Dr. Kristin Kopf forscht als Sprachwissenschaftlerin zu Komposita und fühlt sich nicht nur falsch zitiert und in einen Zusammenhang gerückt, in den sie nicht gerückt werden möchte, sondern äußert auch grundsätzliche Kritik an diesem kleinen Blog hier und seinem Anliegen. Zitat:

Der zweite übergreifende Punkt, der mich nervt, ist, dass das Wort “Deppenleerzeichen” überall vorkommt und so getan wird, als sei das ein etablierter Fachbegriff. In Wirklichkeit ist das Wort einfach nur widerlich: Es klassifiziert Menschen, die nicht normgerechte Leerzeichen benutzen, als dumm.

Sie führt das im Detail noch etwas genauer aus. Das ist wirklich – für sprachwissenschaftlich Interessierte – sehr lesenswert. Da ich ja selbst studierter Sprachwissenschaftler bin, kann ich den Grund ihrer Kritik sehr wohl nachvollziehen; es gibt aus sprachwissenschaftlicher Sicht nun mal kein „gut“, „schlecht“, „wahr“ oder „falsch“ in der Sprache, sondern allenfalls Abweichungen vom Standard und überhaupt entwickelt sich Sprache. Die Aufgabe von Sprachwissenschaftlern ist, solche Dinge zu beschreiben. Das macht Kristin Kopf beruflich.

Zwei grundsätzlichen Missverständnissen sitzt sie auf – aber auch viele andere Nutzerinnen und Nutzer, die mir schreiben:

  1. Der Begriff „Deppenleerzeichen“ insinuiere, dass wir Menschen, die Leerzeichen in Komposita verwenden, für dumm halten. Genau so ist es nicht gemeint. Es ist ein pointierter Begriff, seinerzeit abgeleitet vom „Deppenapostroph“, der aber keinen Freibrief für Unhöflichkeit und mangelnden Respekt darstellen will. Das hat übrigens über die Jahre super geklappt, erst in jüngster Zeit gewinnen die Diskussionen in den Kommentaren und E-Mail-Zuschriften einen zunehmend raueren Ton. Deswegen verwende ich inzwischen den Begriff selbst nur noch in Anführungszeichen und bin sehr offen für Alternativvorschläge, gerne auch aus dem Institut für Germanistik der Johannes Gutenberg-Universität (sic!).
  2. Es geht auf Deppenleerzeichen.de und bei meiner Art der Sprachkritik eben gerade nicht nicht um informelle und noch weniger um private Kommunikation zwischen einzelnen Menschen. Darum ging es auch nie. Es geht darum, auf Regelabweichungen von Menschen aufmerksam zu machen, die von Berufs wegen professionell mit Sprache umgehen (sollten), dies aber unprofessionell tun: Werbetexter, Grafiker, Journalisten, PR-Experten, Lektoren, Professoren, etc. Das sind Menschen, die von einem möglichst großen Publikum unmissverständlich verstanden werden möchten. Im privaten Umfeld kann jeder schreiben, wie er/sie möchte. Ich persönlich habe mich z.B. nur aus Bequemlichkeitsgründen (weil ich nicht ständig zwischen beruflicher und privater Schreibung wechseln mag) irgendwann dafür entschieden, privat Groß- und Kleinschreibung zu verwenden. Niemand zwingt mich dazu, niemanden geht das was an. Wenn ich aber als Journalist einen Text verfasse und einen Dreck auf Rechtschreibung gebe, ist das arrogant, ignorant und unhöflich gegenüber meinen Kunden, also Lesern und Zuschauern.

Genau diese Art der professionellen Arroganz ist es, um die es hier auf Deppenleerzeichen in humoristischer Form geht. Das ist – glaube ich – so ziemlich das Gegenteil dessen, was Kristin Kopf ausweislich ihres Textes glaubt, worum es hier ginge. Dennoch ist ihr Artikel lesenswert, weil er eben ein paar sehr nachdenkenswerte Punkte anreißt (ich bin nur der Meinung, dass dies auch gegangen wäre, ohne gleich gegen einen ebenfalls missverstanden Co-Interviewten loszuholzen), und noch lesenswerter ist die Diskussion darunter.

Ein Grund für Leerzeichen in Komposita: Rechtschreibkorrektur

Man kann trefflich darüber spekulieren, wie es eigentlich zu sog. Deppenleerzeichen kommt. Das Problem dabei ist: So richtig wissenschaftlich ist das meines Wissens noch nie untersucht worden (sachdienliche Hinweise nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen). Neulich wurde ich gefragt, ob mein Eindruck denn sei, dass das Phänomen zunehme; ich konnte natürlich nur antworten, dass das gefühlt der Fall sei – ich das aber nicht untersucht habe und belegen könnte.

Bislang gingen wir – auch in den Beispielen hier – meistens davon aus, dass gestalterische Gründe oder eine falsch verstandene Definition von „Alleinstellungsmerkmal“ dafür verantwortlich sein könnten, oder schlicht Ignoranz.

Ich bin mir mittlerweile recht sicher, dass die Rechtschreibkorrektur von Textverarbeitungssystemen und die Tippvorschläge moderner Handy-Tastaturen daran einen gewichtigen Anteil haben. So schrieb mir ein Nutzer, der sich „Hein von der Werft“ nennt:

Da versucht man, auf Deutsch zu formulieren mit “Jokerzeichen” statt “wildcard”, dann nervt Kleinweich-Wort damit …

Und er schickte dazu diesen Screenshot:

In eine ähnliche Richtung geht das, was vielfach in den Kommentaren zu Jochen Bittners übrigens sehr lesenswerter Abhandlung über das „Deppenleerzeichen“ in der ZEIT zu lesen war, als da wären:

Und warum? Weil Microsoft Office und T9 die deutschen Zusammensetzungen nicht kennt und unterkringelt… Und keiner mehr firm genug aus der Schule kommt, um sich dagegen zu wehren.

Darin sehe ich auch ein Hauptproblem. Ich ertappe mich ja selbst hier beim Kommentieren, dass ich zusammengesetzte Wörter und Bindestriche vermeide weil die Worterkennung nicht mitspielt.

Eben. Einige Foristen hier scheinen die Windows- etc. -Rechtschreibfunktion (ja, so schreibt man das; ich erkläre aber jetzt nicht, warum) als gottgegeben anzusehen.

Wir müssen also als gewichtigen Grund für Leerzeichen in Komposita schlecht trainierte Smartphone-Tastaturen und überforderte Autokorrektur-Systeme annehmen.

Mich würde nun tatsächlich sehr interessieren, inwieweit das Phänomen seit Word, T9 und Swipe-Tastataturen zugenommen hat. Liebe Germanistik-Professoren und Computerlinguisten: Das wäre doch mal ein schönes, interdisziplinäres Forschungsprojekt!

Screenshot: Hein von der Werft

Ein Hoch auf die Hoch Kultur

Alex aus Österreich hat uns diesen Screenshot geschickt, mit dem Kommentar: „Ein schönes Theater in Wien nennt sich ‘Raimund Theater’, das ist wirklich ‘Hoch Kultur’ ;-)“ – Das hilft sehr bei der Einschätzung, sonst hätten wir uns über Raimunds ungewöhnlichen Nachnamen „Theater“ doch sehr gewundert.

 

Husten aus der Drogerie

Husten und Bronchial Tee - oder vielleicht doch Husten- und Bronchial-Tee?

Frei nach Dieter Hallervorden, passend zur Jahreszeit: „Palim-Palim! Ich hätte gerne ein Päckchen Husten!“ – „Nein, so geht das nicht. Ich zeig’s dir mal: Palim-Palim! Ich hätte gerne Husten.“ – „Ja haben Sie denn ein Päckchen dabei?“

Foto: Catharina Niemand / Text: Titus Gast