Was ist ein „Deppenleerzeichen“?

Vereinfacht gesagt: Analog zum „Deppen-Apostroph“ beschreibt der Begriff „Deppenleerzeichen“ in pointierter Form ein Leerzeichen, das da nicht stehen sollte. Vor allem in zusammengesetzten Wörtern (Komposita) ist das mittlerweile im Deutschen sehr beliebt – insbesondere in Werbung und Marketing.

Aber was sollte da denn sonst stehen, wenn nicht ein Leerzeichen? Nun, es hat sich im Deutschen eingebürgert, zusammengesetzte Begriffe auch zusammenzuschreiben (sic!) oder mit einem Bindestrich zu koppeln. Statt des „Deppenleerzeichens“ müsste also entweder nichts oder ein Bindestrich stehen.

„Na, das kann doch nicht so schlimm sein“, sagen Sie? Das kommt darauf an. Auf dieser kleinen Webseite sammeln wir besonders gruselige, absurde und missverständliche Fälle. Hier ein paar Beispiele:

Mädchen für 3,99 €

Maedchen fuer 3,99

Was steht auf dem Schild des Baden-Badener „real,-“-Markts? Richtig: Genau genommen gar nichts, denn die Beschriftung ergibt nicht den geringsten Sinn – wörtlich steht dort: Hier gibt es Mädchen, und außerdem gibt es hier auch noch „Knaben Slip“. Ein Mädchen für € 3,99 – da greifen wir doch gern zu. Die Bedeutung von „Knaben Slip“ erschließt sich dagegen nicht. Allenfalls könnte es sich um einen unnötig mit Anglizismen versetzten Befehl handeln – und hieße dann: Knaben, die dieses Schild lesen, sollen ausrutschen.

Korrekt wäre: Mädchen- oder Knaben-Slip. Zwei Bindestriche, die einen großen Unterschied machen.

Der zackige Zucker mit dem Befehlston

Zucker mit Befehlston

„Würfel Zucker“ – wo mag hier der Fehler sein? Ist es nicht genau das, was Sie in Ihren Kaffee geben? Weit gefehlt. Hier handelt es sich anscheinend nicht um „Würfelzucker“, so die korrekte Schreibweise, sondern schlicht um einen Befehl: Würfel Zucker! Leider gibt es keine Erklärung, wie das geschehen soll – wie würfelt man Zucker?

Womöglich heißt es aber auch: In dieser Packung ist ein Würfel Zucker. Oder zwei Würfel Zucker. Oder drei, oder vier – ja, wie viele denn nun? Die letzte Frage, die sich aufdrängt: Warum wird „Würfel Zucker“ falsch geschrieben, „Südzucker“ aber nicht? Konsequent wäre doch die Umbenennung der Firma in „Süd Zucker“…

Achja, nur fürs Protokoll: Korrekt wäre natürlich „Würfelzucker“.

Was ist hier geschehen? Wie kommt es zu diesen Fehlern? Die Antwort auf diese Fragen ist leider einfacher, als Sie denken – Sie finden sie bei den Hintergründen.

26 Kommentare

  1. Zur Erbauung hier etwas, das zwar richtig geschrieben ist, aber dafür auch den Stress darstellt, den man mit Kopulativ- und anderen lustigen Komposita haben kann. Lesen Sie mal in stiller Stunde noch etwas Erbauliches: nämlich was Mark Twain über die deutsche Sprache gesagt und geschrieben hat. Das ist so wie ein Black Aungus-Bio-Tenderloin für den Steak-Esser….

    Also:

    Sommermädchenküssetauschelächelbeichte
    nach O. J. Bierbaum und anderenWortkopplern

    An der Murmelrieselplauderplätscherquelle
    Saß ich sehnsuchtstränentröpfeltrauerbang:
    Trat herzu ein Augenblinzeljunggeselle
    In verweg’nem Hüfteschwingeschlendergang,
    Zog mit Schäkerehrfurchtsbittegrußverbeugung
    Seinen Federbaumelriesenkrämpenhut –
    Gleich verspürt’ ich Liebeszauberkeimeneigung,
    War ihm zitterjubelschauderherzensgut!

    Nahm er Platz mit Spitzbubglücketückekichern,
    Schlang um mich den Eisenklammermuskelarm:
    Vor dem Griff, dem grausegruselsiegesichern,
    Wurde mir so zappelseligsiedewarm!
    Und er rief: “Mein Zuckerschnuckelputzelkindchen,
    Welch ein Schmiegeschwatzeschwelgehochgenuß!”
    Gab mir auf mein Schmachteschmollerosenmündchen
    Einen Schnurrbartstachelkitzelkosekuß.

    Da durchfuhr mich Wonneloderflackerfeuer –
    Ach, das war so überwinderwundervoll..
    Küßt’ ich selbst das Stachelkitzelungeheuer,
    Sommersonnenrauschverwirrungsrasetoll!
    Schilt nicht, Hüstelkeifewackeltrampeltante,
    Wenn dein Nichtchen jetzt nicht knickeknirschekniet,
    Denn der Plauderplätscherquellenunbekannte
    Küßte wirklich wetterbombenexquisit!!

    Beste Grüsse, auch an den geschätzten Apostroph…

      1. Das Argument “Ja, Grüße mit ‘ss’. Alte Rechtschreibung, weißt du doch. Da vertue ich mich auch mal” zieht natürlich auch nicht. Schließlich wurde der Gruß schon mit “ß” geschrieben bevor sie geboren waren.

  2. Köstlich, diese Präsenz! Weiter so!

    Auch ich habe mich unter wpö.de eingehend mit Idiotenleerzeichen und -apostrophen beschäftigt, mit dem massenhaften Auftreten von Anglizismen und Falschschreibung – schlicht: der Verblödung des deutschen Stimmviehs unter Sabotage der sprachlichen Wurzeln eines Volkes. Wer bei so viel Sprachverhunzung nicht auf die Barrikaden geht, verdient eben keine Kultursprache.

    Gruß – WPö

    1. Ja, aber die wichtigste Frage bleibt immer noch ungeklärt:
      Wie kann man wirklich effizient etwas gegen diese Logik-Zerstörungen in der Sprache tun???
      Wie können zumindest die großen, einflussreichen (weil durch weite Verbreitung ihrer Ergüsse Eindruck hinterlassenden) Institutionen und Unternehmen und deren “Schreiberlinge” erreicht und überzeugt oder wenigstens sensibilisiert werden? Die lesen solche Hinweise doch überhaupt nicht, oder? Und wenn doch, würden sie sich wahrscheinlich lächelnd oder mit unsinnigen Argumenten im Kopf darüber hinwegsetzen!
      Was passiert in den Schulen? Können (und wollen) die überhaupt noch dagegen ankämpfen? Und ist das noch wirkungsvoll?

  3. Ironie: Dasselbe Unternehmen (Südzucker, pardon, ich meinte Süd Zucker) hat die Verpackungen mit dem Rohrzucker korrekt beschriftet. Da steht “Brauner Rohrzucker”.

  4. Ähm…ganz korrekt ist die Annahme, es handele sich bei der Form “Würfel Zucker” um einen Imperativ, aber auch nicht: Der Imperativ müßte richtigerweise “Würfle Zucker!” lauten…. 😉

  5. Aaaah, endlich eine Seite, die mein Lieblingsaufregerthema aufgreift!! Nachdem der Deppenapostroph ja viele stört, hatte ich langsam das Gefühl, dass ich die Einzige bin, die sich über die sinnlose Getrenntschreibung aufregt (besonders schlimm, wenn beides kombiniert wird, wie etwa in “Mandy’s Würstchen Bude” – wobei es aber auch immer mehr Leute gibt, die Anführungsstriche wie Unterstreichungen verwenden, auch so ein Thema…) Ich wundere mich immer wieder, wie schnell sich Blödsinn verbreitet…

  6. Hallo,
    ich wäre für einen Tipp dankbar. Gelegentlich habe ich in Artikeln Wortschöpfungen wie diese: Rechtfertigungs-Scharmützel. Ist der Bindestrick da korrekt? Zusammen geschrieben wirkt es gräßlich lange, aber man weiß ja nie.

    1. Wichtig ist eigentlich nur, dass Sie nicht „Rechtfertigungs Scharmützel“ schreiben. Ob Bindestrich und oder Zusammenschreibung, ist in solchen Fällen eher eine Geschmacksfrage oder eine pragmatische, die abhängig vom Publikationsort entschieden werden muss. Beispielsweise würde ich auf manchen Webseiten eher zum Bindestrich raten, weil so lange Wörter sonst oft nicht ins Layout passen.

  7. Hallo,

    alles etwas übertrieben. Bei dem Buch auf der Titelseite sehe ich es noch ein. Dort muss die Rechtschreibung stimmen.

    Aber wer bei dem Preisschild nicht kapiert, dass damit Slips für Mädchen und Knaben gemeint sind, hat ein anderes Problem. Wichtig ist, dass die Botschaft rüber kommt und das tut sie. Keiner läuft in ein Bekleidungsgeschäft um dort Mädchen zu kaufen.

    Und Zucker kann man auch würfeln, denn sonst wären ja keine Zuckerwürfel in der Packung.

    Viel schlimmer ist das Wort Slip, denn im Deutschen heißt es nun mal Unterhose.

    Im Grunde hat der Betreiber dieser Seite recht. Aber solange unmissverständlich klar ist, was gemeint ist, muss man die Fünf auch mal gerade sein lassen.

    1. Nun ja… nein.

      “Dumma Idioten Spaßti Honck” lässt auch keine Zweifel daran, was gemeint ist. Sollten Sie jedoch auf diese Art und Weise schreiben, so darf ich Sie berechtigterweise für das halten, was damit gemeint war.

      Lassen wir doch die Zahl fünf einfach mal ungerade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.