Wie war noch gleich der Name? Merken?

Namen sind Schall und Rauch. Man muss sich auch nicht jeden merken. Man könnte sich aber merken, wie man das Namenmerken schreiben möchte. Doch das wäre langweilig. Viel lustiger ist es doch, den Leser ein wenig zum Nachdenken anzuregen, ja ihn regelrecht zum Grübeln zu bringen, wie es seit einiger Zeit Spiegel Online in einem Artikel über den „Weltmeister im Namenmerken“ hartnäckig versucht. Denn nur wenige Zeilen später ist davon die Rede, dass jemand den „Weltrekordhalter im Namen merken“ möge. Oder so. Ob das jemand merkt?

Aber selbstverständlich! Deppenleerzeichen.de-Leser Dr. Jürgen E. machte uns auf diese Ungereimtheit aufmerksam. Nicht nur er fragt sich nun: „Offen bleibt die Frage, wie der vollständige Name desjenigen lautet, der das Wort ,Weltrekordhalter‘ in seinem Namen trägt, und wieso ich mir das merken soll.” Eine spannende Frage an jedweden Gedächtnisweltmeister wäre auch, wie man sich Rechtschreibregeln merken könnte. Aber auch diese Frage blieb in diesem Artikel unbeantwortet. Vielleicht, weil sie sich niemand merken kann. Wie war noch gleich die Frage?

Wenn Kirchen Auto fahren

Gemeinhin zählen Kirchen zu den Immobilien. Immobilien sind Gegenstände, die nicht mobil sind, vulgo nicht bewegt werden können – und sich schon gar nicht von selbst bewegen. Dachte ich. Dann aber kam da diese E-Mail von Deppenleerzeichen.de-Leser Frank W. mit einem Foto im Anhang. Er schrieb dazu:

„Vor einigen Monaten sah ich in Linz/Österreich ein nettes Deppenleerzeichen: Auf einem Hinweisschild wurde die ,Zufahrt nur für Kirchen‘ gestattet.“

Was muss das nur für ein majestätisches Schauspiel sein, wenn dort auf dem Parkplatz die Kirchen hin und her rangieren! Stellt sich nur die Frage: Womit schleppt man eigentlich so eine Kirche ab, wenn sie falsch parkt?

Stuttgart macht auf dicke Hose

Es ist schon eine Weile her, dass in Baden-Württemberg das Volk über den neuen Bahnhof in Stuttgart entscheiden darüber entscheiden durfte, ob das Land sich an der Finanzierung eines neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs beteiligen möchte. Vermutlich haben alle ihre Informationsbroschüren zur Volksabstimmung schon vernichtet. Umso dankbarer können wir Deppenleerzeichen.de-Leser Ingo Bürk sein, dass er dieses wunderbare Fundstück eingescannt und für die Nachwelt erhalten hat. Er schreibt dazu: Im Schwabenländle ist nicht nur die Luft dick, sondern auch das Geld. Denn in dieser Broschüre findet sich der schöne Satz (man beachte den Umbruch):

„Wenn man 100
Euroscheine aufeinander stapelt, ergibt das einen
1.500 Meter hohen Turm.“

Wir rechnen mal kurz nach: 1.500 m : 100 = 15 m. Somit ist nach dieser Rechnung in Stuttgart jeder einzelne Euro-Schein 15 Meter dick. Beachtlich. Ist das vielleicht die Lösung für die Euro-Krise?

 

Mau. Sehr mau.

imageNatürlich sollte man von Drei- bis Sechsjährigen nicht erwarten, perfekt lesen und schreiben zu können, womöglich inklusive aller Details der Getrennt- und Zusammenschreibung. Hingegen darf man von Textern und Gestaltern verlangen, die Verpackung ihrer Produkte der Zielgruppe anzupassen. Manchmal geht diese Anpassung besonders weit. Möglicherweise ging der Gestaltung dieser Schachtel folgender Dialog voraus:

„Hey, wie schreibt man denn Mau-Mau?“
„Keine Ahnung. Zweimal Mau hintereinander?“
„Und wenn noch ein Knopf dazu kommt?“
„Egal. Schreib den Knopf einfach irgendwie davor! Unsere Kunden können’s doch eh nicht lesen.“

Dass sich möglicherweise des Deutschen mächtige Eltern daran stören könnten, ist ja auch egal, schließlich zählen sie nicht zur Zielgruppe des Spiels (3-6). Nun könnte es natürlich auch sein, dass die Packung einen Knopf, ein Mau und noch ein Mau enthält. Dann – und nur dann – wäre die Beschriftung halbwegs korrekt.

Aber möglicherweise ist all das nur maue Theorie.

Mozart gibt sich die Kugel

imageNun gut, es mag Hinweise darauf geben, dass Wolfgang Amadeus Mozart Legastheniker war. Ob das allerdings als Rechtfertigung dafür taugt, bei der Beschriftung nach ihm benannter Produkte den Regeln zur Schreibung von Komposita die Kugel zu geben, daran sind doch größere Zweifel erlaubt. Vor allem, weil gleich unter dem Schriftzug „Mozart Kugeln“ völlig korrekt „Mozart-Kugeln“ geschrieben steht. Mit anderen Worten: Die Menschen, die sich so was ausdenken, wissen grundsätzlich, wie es richtig geht, schaffen es aber nicht mal, ein- und denselben Begriff kurz hintereinander gleich zu schreiben. Denn das könnte ja womöglich konsequent und konsistent sein. So lässt diese Verpackung aber nur drei Schlüsse zu: Hier waren entweder ebenfalls Legastheniker am Werk oder Amateure – oder aber der Herstellerfirma geht es derart schlecht, dass nicht mal mehr ein Duden drin ist.

Disclaimer: Doch, ich mag Marzipan und kann aus eigener Erfahrung versichern, dass der Inhalt dieser Verpackung bedeutend appetitlicher ist als der Aufdruck.

Quizfragen ohne richtige Antworten

Wir nehmen mal kurz an, jemand würde sich eine Quizsendung über das eigene Land ausdenken, in der Zuschauer und Teilnehmer vielleicht auch noch auf spielerische Weise ein bisschen Wissen über ihr Land mitnehmen können; Dinge, die sie vielleicht so noch nicht wussten, nur so rein hypothetisch. Und nehmen wir mal – rein hypothetisch – an, das wäre eine Quizsendung in einem traditionsreichen öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm dieses Landes, das für sich auch einen gewissen Bildungsauftrag in Anspruch nimmt. Weiterhin nehmen wir – wieder nur hypothetisch – an, dass es in so einem Quiz auch irgendwie hin und wieder um Kultur geht, hin und wieder gar um klassische Hochkultur wie Opern, klassische Musik und ähnlichen Kram, den man im Unterschichtenfernsehen in manchen Privatsendern erst buchstabieren müsste… Jedenfalls würde man doch wohl möglicherweise in einem solchen Quiz einen gewissen Wert auf die Sprache legen und nicht einfach – rein hypothetisch – die Landessprache gerade so schreiben, wie sie einem passt und auf irgendwelchen Grafiken nett aussieht, sondern wie sie korrekt ist. Oder? Vor allem würde man doch in diesem rein hypothetischen Szenario darauf achten, dass Komposita, die vielleicht nicht jeder im Publikum kennt, so geschrieben sind, dass sie auch als Komposita erkennbar sind – damit sie zum Beispiel nicht etwa krude Fehlinterpretationen erlauben wie „ein Chor aus einem Ort namens Thoman“, „eine Oper aus Semp“ oder „Frau Bibliothek (Vornamen: Anna und Amalia) hat einen Direktor“. Oder? Ich meine, man würde doch auf so etwas achten? Oder etwa nicht?

Verblödungsministerkonferenzen und akademische Ehren

„Quod licet Iovi, non licet bovi“ – auch wenn vom Lateinunterricht in der Schule nicht viel hängen blieb, dieses Sprichwort hat es vielleicht dennoch geschafft. Es bedeutet in etwa: „Was Jupiter – also der höchste der römischen Götter – darf, darf nicht jedes Rindvieh.“ Nur so ist es zu erklären, dass sich ausgerechnet die Minister, zu deren Bereich das Schulwesen und mithin auch die Vermittlung der korrekten deutschen Rechtschreibung gehört, fröhlich über die Regeln eben dieser hinwegsetzen. Denn auf ihrer Website firmiert die Kultusministerkonferenz keineswegs als solche, sondern als „Kultusminister Konferenz“. Motto: Sollen sich doch die Schüler mit Rechtschreibung rumschlagen – uns ist das völlig wumpe. Zu ihrer Ehrenrettung muss man vielleicht sagen, dass der offizielle Titel dieser Einrichtung nicht „Kultusministerkonferenz“ lautet (und: Nein, auch nicht „Kultusminister Konferenz“), sondern offensichtlich völlig korrekt „Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“, wie ein Blick ins Impressum zeigt.

Mit ähnlich gutem Beispiel geht der Deutsche Akademische Austauschdienst (sic!) voran. Der nennt sich nämlich munter „Deutscher Akademischer Austausch Dienst“. Irgendeiner orthografischen Wildsau – nein, die Dame auf dem Bild hat vermutlich nichts damit zu tun – ist wahrscheinlich sauer aufgestoßen, dass sich die korrekte Schreibung ja nicht in der Abkürzung (DAAD! Versalien!) widerspiegelt. Was tun, wenn man die Abkürzung nicht ändern kann? Ändern wir doch einfach den ihr zu Grunde liegenden Begriff. Ist ja nicht so wichtig.

All das wäre eigentlich verzeihlich. Fehler passieren, größere Webseiten werden von vielen Menschen gemacht, zu deren wichtigsten Qualifikationen nicht unbedingt orthografische Sattelfestigkeit zählen muss. Im Gegenteil. Wenn aber vor satten sieben Jahren (2004) schon ein prominenter Beobachter wie Bastian Sick auf das Problem aufmerksam gemacht hat, dann sollte doch im Umfeld von Institutionen wie KMK oder DAAD jemand anzutreffen sein, der vielleicht sagt: „Ups, da ist uns was durchgerutscht, wird korrigiert.“ Alles andere wäre ja nicht nur peinlich, sondern hochnotpeinlich.

Schweizer zu verkaufen

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Die Schweizer sind einfach geschäftstüchtige Menschen. Hier zum Beispiel verkaufen sie die Einwohner ihres Kantons Graubünden für 1,99 Euro (nicht Franken!) in einem deutschen Discounter. Wie bitte? Die verkaufen gar keine (Grau-)Bündner? Tja, Klischees sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Immerhin beherrschen die Schweizer anscheinend die deutsche Sprache, denn sie schreiben (auch auf dieser Packung) konsequent und korrekt Bündnerfleisch. Dass man in Deutschland nicht mal in der Lage ist, die Aufschrift auf Verpackung und Karton korrekt abzuschreiben, geht indessen auf kein luftgetrocknetes Rindfleisch keine Kuhhaut. Vielleicht sollte der Laden einfach mal stundenweise einen Doktoranden beschäftigen und ihn mit dem Abschreiben von Etiketten beauftragen.

Hurra, ein Brief an Frau Bieber-Fans!

In meinem Posteingang landete heute eine ganz besondere E-Mail – offensichtlich sollte es eine Pressemitteilung sein. Die Anrede lautete: „Liebe Justin Bieber-Fans“. Aus verschiedenen Gründen kann es sich nur um einen Irrläufer handeln. Ich konnte unmöglich damit gemeint sein, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ich heiße nicht Justin. Die E-Mail kann logischerweise nur an einen Herrn mit dem Vornamen Justin und dem Nachnamen Bieber-Fans gerichtet sein – lediglich ein -r wurde vergessen: „Lieber Justin Bieber-Fans“ müsste es also korrekt lauten. Alternativ ist auch denkbar, dass sich das Schreiben an einen Justin und mehrere Bieber-Fans richtet, es wurde in diesem Falle so einiges vergessen: „Lieber Justin, liebe Bieber-Fans…“

2. Ich bin keine Frau. Die E-Mail könnte eventuell auch an eine Dame mit dem Vornamen Justine und dem Nachnamen Bieber-Fans gerichtet sein; in diesem Falle wurde offensichtlich das -e im Vornamen vergessen: „Liebe Justine Bieber-Fans” müsste es also korrekt heißen.

3. Ich soll als ein Fan des Sängers Musikers Teenie-Idols der Twitter-Plage Justin Bieber angesprochen werden, was ich nicht bin. Aber nehmen wir mal an, ich fände ihn ganz famos, so fehlt doch ein ganz entscheidender Bindestrich – immerhin nur einer von zwei notwendigen. Dummerweise ist es exakt der, der verhindert, dass mein Gehirn die Lücke zwischen Justin und dem Bieber reichlich sinnentstellend füllt: Denn natürlich ergänzt jeder halbwegs gebildete Leser, der weiß, dass Justin ein Männername Jungenname ist, ein fehlendes -r und liest „Lieber Justin…“, bevor ihm dämmern kann, was der Texter vielleicht eigentlich meinte schreiben wollte.

Ein Meister namens Stück

Meister Stück hat kein Meisterstück gemacht.Heute haben wir ein Meisterstück der Deppenleerzeichenfabrikantenzunft aus heimischer Produktion vor uns. Das gute Stück ist nicht nur ein Stück Wurst, sondern auch ein Stück Meister. Und wie es der Zufall so will, heißt der Meister, der dieses Meisterstück vollbrachte, auch noch Stück. Dagegen sieht selbst Meister Proper ziemlich schmalbrüstig aus. Welches Meisterstück sich Meister Stück hier geleistet hat, wird übrigens erst deutlich, wenn man die Wort-Bild-Marke sozusagen an ihrer Quelle begutachtet: Wurde die Marke bei Anmeldung zwar mit großem Binnen-I Binnen-S, aber immerhin noch halbwegs korrekt zusammengeschrieben, hat offenbar irgendein Schlechtschreibmeister den letzten Rest korrekter Orthografie zwischen Markenanmeldung und Etikettendruck verschwinden lassen. Nur eines ist klar: Wer immer für dieses Meisterstück Wurst verantwortlich ist, ist genau dies: eine Wurst.