Ein Grund für Leerzeichen in Komposita: Rechtschreibkorrektur

Man kann trefflich darüber spekulieren, wie es eigentlich zu sog. Deppenleerzeichen kommt. Das Problem dabei ist: So richtig wissenschaftlich ist das meines Wissens noch nie untersucht worden (sachdienliche Hinweise nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen). Neulich wurde ich gefragt, ob mein Eindruck denn sei, dass das Phänomen zunehme; ich konnte natürlich nur antworten, dass das gefühlt der Fall sei – ich das aber nicht untersucht habe und belegen könnte.

Bislang gingen wir – auch in den Beispielen hier – meistens davon aus, dass gestalterische Gründe oder eine falsch verstandene Definition von „Alleinstellungsmerkmal“ dafür verantwortlich sein könnten, oder schlicht Ignoranz.

Ich bin mir mittlerweile recht sicher, dass die Rechtschreibkorrektur von Textverarbeitungssystemen und die Tippvorschläge moderner Handy-Tastaturen daran einen gewichtigen Anteil haben. So schrieb mir ein Nutzer, der sich „Hein von der Werft“ nennt:

Da versucht man, auf Deutsch zu formulieren mit “Jokerzeichen” statt “wildcard”, dann nervt Kleinweich-Wort damit …

Und er schickte dazu diesen Screenshot:

In eine ähnliche Richtung geht das, was vielfach in den Kommentaren zu Jochen Bittners übrigens sehr lesenswerter Abhandlung über das „Deppenleerzeichen“ in der ZEIT zu lesen war, als da wären:

Und warum? Weil Microsoft Office und T9 die deutschen Zusammensetzungen nicht kennt und unterkringelt… Und keiner mehr firm genug aus der Schule kommt, um sich dagegen zu wehren.

Darin sehe ich auch ein Hauptproblem. Ich ertappe mich ja selbst hier beim Kommentieren, dass ich zusammengesetzte Wörter und Bindestriche vermeide weil die Worterkennung nicht mitspielt.

Eben. Einige Foristen hier scheinen die Windows- etc. -Rechtschreibfunktion (ja, so schreibt man das; ich erkläre aber jetzt nicht, warum) als gottgegeben anzusehen.

Wir müssen also als gewichtigen Grund für Leerzeichen in Komposita schlecht trainierte Smartphone-Tastaturen und überforderte Autokorrektur-Systeme annehmen.

Mich würde nun tatsächlich sehr interessieren, inwieweit das Phänomen seit Word, T9 und Swipe-Tastataturen zugenommen hat. Liebe Germanistik-Professoren und Computerlinguisten: Das wäre doch mal ein schönes, interdisziplinäres Forschungsprojekt!

Screenshot: Hein von der Werft

4 Kommentare

  1. Ich bin jetzt 76 und “entschärfe” der besseren Leserlichkeit wegen zusammengesetzte Bandwurm-Wörter mittels Bindestrich, und das schon zu Zeiten, als von Computern und Smartphones noch keine Rede war.
    Und davon lasse ich mich auch nicht abbringen!
    Diese Schreibweise ist ganz einfach leserfreundlicher (auch hier wäre ein Bindestrich m.E. durchaus legitim).

    1. Auch wenn der dpa-Artikel, über den Sie vermutlich hierher gekommen sind, das suggeriert: Niemand hat hier was gegen Bindestriche. Im Gegenteil. Meistens geht es auf diesem Blog um deren Fehlen.

  2. Liebe Bandwurmwörterliebhaber, obwohl mein Mann und ich Akademiker sind und wir zwei ziemlich gewitzte Kinder haben, ist unser drittes Kind, bedingt durch eine schlecht verlaufene OP, geistig behindert. Um ihm das Lernen zu erleichtern schreibe ich ihm lange Wörter zumeist mit Bindestrichen, da es das jeweilige Wort ansonsten überhaupt nicht erkennen kann.
    Fazit: Bandwurm-Wörter mit Bindestrich zu schreiben ist behinderten-gerecht und damit integrativ. Und Behinderten-Integration liegt uns doch allen am Herzen. 😉

    1. Liebe Anandi, es ist überhaupt nichts gegen einen Bindestrich einzuwenden, wenn es der Übersichtlichkeit dient (und das ist nun mal eine subjektive Sache) – sagt übrigens auch der Duden: http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/bindestrich
      Sofern Sie also Bindestriche anstatt Leerzeichen verwenden, ist das weder falsch noch sonst irgendwie lustig. Hier geht es ja nur um deplatzierte Leerzeichen, die dem Geschriebenen bisweilen eine völlig andere Bedeutung verleihen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch nicht im Sinne der Barrierefreiheit ist.

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