Nicht weise von heise

Schade: Das Verlagsunternehmen, das eine der von mir regelmäßig konsumierten Zeitschriften herausgibt, hat unlängst seine Firmenbezeichnung geändert. Nun lese ich die hervorragende „c’t“ zwar immer noch, ärgere mich aber jedes Mal über den Verlag.

Gleichartige Satzteile?

Nicht weise von heiseHaben wir nicht in der Schule gelernt, dass gleichartige Satzteile bei einer Aneinanderreihung durch Kommata getrennt werden müssen? Das scheint hier jemand vergessen zu haben. Korrekt wäre „Heise, Medien, Gruppe“. Sofern das nicht erwünscht ist, könnte man auch wahlweise zur korrekten deutschen Rechtschreibung zurückkehren: „Heise-Mediengruppe“.

Noch mehr Sprach-Vergewaltiger

Nicht weise von heiseIn genau dieser Firmengruppe tummeln sich weitere Verlage, die die Rechtschreibung missachten. Wieso nur nennt man die Verlage nicht „Hinstorff-Verlag“, „Heise-Zeitschriftenverlag“ und „Heise-Adressbuchverlag“? Womöglich, weil es den Regeln der deutschen Rechtschreibung entspricht und man das auf keinen Fall möchte?

Kommentar: Heise ist nicht die einzige Verlagsgruppe, die sich gnadenlos über die Rechtschreibung hinwegsetzt (siehe auch Data Becker und „Ruhr Nachrichten“). Doppelt verwerflich: Gerade Verlage sollten darauf bedacht sein, die Rechtschreibung einzuhalten. Denn wenn schon Verlage keinen Pfifferling dafür geben, fehlerfrei zu schreiben – wer dann?

Kommentar von heise:

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihren Hinweis bezüglich der Firmennamen in unserer Verlagsgruppe. Leerzeichen und Koppelungen sind auch innerhalb unserer Verlagsgruppe immer wieder Anlass für Diskussionen. Ich stimme völlig mit Ihnen überein, dass man Bindestriche nicht einfach durch Leerzeichen ersetzen sollte. Dennoch bin ich – auch ganz persönlich – der Meinung, dass Eigennamen, sowohl von Firmen als auch von Personen, nicht den allgemeinen Regeln der Rechtschreibung unterliegen. Das mag historische Gründe haben (zum Beispiel „oe“ statt „ö“ in meinem Nachnamen) oder kreative wie bei „DasÖrtliche“ oder „Heise Medien Gruppe“. Rechtschreibfehler in Eigennamen zu suchen, halte ich wirklich für müßig. Oder wie schreibt man Meier richtig? Meyer, Maier, Mayer, Mayr, Mair…?

Kommentar zum Kommentar:

Auf den ersten Blick eine wirklich einleuchtende Erklärung. Auf den zweiten Blick allerdings nicht mehr. Der Duden schreibt in Regel 95: „Bildet ein Familien- oder Personenname zusammen mit einem Substantiv eine geläufige Bezeichnung, so schreibt man zusammen.“ – ganz korrekt wäre also eigentlich „Heisemediengruppe“. Da das kaum noch lesbar ist, darf man Bindestriche setzen: „Heise-Mediengruppe“.

Entgegen Ihrer Meinung handelt es sich bei „Heise Medien Gruppe“ nicht um einen Eigennamen, sondern um einen Namen zusammen mit einer geläufigen Bezeichnung. Nicht nur als Verlag, der eine besondere Verantwortung der deutschen Rechtschreibung gegenüber hat, haben Sie sich hier an Regel 95 zu halten.

9 Kommentare

  1. Wahrscheinlich haben die Verlage mit der Unsitte sogar angefangen – oder sind teilweise eben einfach älter als die Durchkopplungsregel oder eine allgemeinverbindlich anerkannte Rechtschreibung überhaupt. Es gibt nach meiner Erfahrung eigentlich fast keinen Verlag, der eine korrekte Rechtschreibung für seinen Namen verwendet. Man sollte eventuell Gegenbeispiele sammeln und als leuchtende Vorbilder veröffentlichen.

  2. Tolle Seite, köstlich!

    Mein Einwand:

    Bei Firmennamen spielt immer doch auch die Ästhetik eine Rolle.
    Denken Sie an einen Briefkopf!

    Heise-Mediengruppe? Das sieht ja schrecklich aus.

    Wie stehen Sie dann zur Verwendung des mathematischen Zeichens für „identisch gleich“ bei der Landesbank Baden-Württemberg?
    Siehe dazu http://www.lbbw.de.

    Mein Vorschlag: HeiseMedienGruppe

    Ohne DLZ, Ästhetik einwandfrei.
    Aber natürlich nicht konform mit der Rechtschreibung.

    Sich beim Design von Firmennamen an den Duden zu halten bedeutet die Kreativität zu Grabe zu tragen.

    Braucht es in Deutschland für alles eine Regel?

  3. nun, lieber mh, deine meinung ist selbstverständlich vollkommen unsinnig und falsch. witzig übrigens ist der name „DLZ Deutsches Dienstleistungszentrum Aktiengesellschaft“ nicht wirklich, sondern schlicht dämlich.

    man braucht möglicherweise nicht für alles eine regel, aber von consultern und wirtschaftsberatern würde man doch erwarten, ordentlich und und in kenntnis aller relevanten (grammatikalischen, aber auch juristischen) regeln beraten zu werden – schade, daß man hierfür bei ihnen an der falschen adresse ist. würde ich eine gewinnorientierte unternehmung führen, würde ich um unternehmen wie dem ihren einen großen bogen machen. glücklicherweise bin ich nur ein schlechtgelaunter privatier.

    ein ganz, ganz schlechtes licht auf ihre qualitäten wirft übrigens die tatsache, daß sie ein freeware-template für ihre website benutzen…

    kennen sie eigentlich den begriff „eigentor“?

    gruß
    asleif

  4. MH am 11. März, 2006 frug:

    „Wie stehen Sie dann zur Verwendung des mathematischen Zeichens für “identisch gleich” bei der Landesbank Baden-Württemberg?
    Siehe dazu http://www.lbbw.de.“

    1.) Ich konsumiere vom Verbraucherstandpunkt aus gesehen.
    2.) Typographie stimme überhaupt nicht:
    a) Wechsel zu serifenloser Schrift und zurück,
    b) das Zeichen ist viel zu fett im Verhältnis zu den Lettern
    c) das Kerning ist IMHO zu klein gewählt.

  5. Asleif:

    Irgendwas scheint mit der Umschalt-Taste Ihrer Tastatur nicht zu stimmen.

    Und für Hardliner:

    Deutsche Anführungszeichen sehen so aus: „…“ und nicht Umschalt-mit-2 „ “ “.

    (…) das wird nämlich meinsten’s falsch gemacht!

    .
    .
    .

    [sic!]

  6. Da hat wohl jemand die Ironie nicht verstanden… 🙂
    Und asleif, ich frage mich was zum Henker MHs Webpräsenz mit seinem Kommentar zu tun hat (weil du so sehr über MH herziehst).

    Gruß,
    André

  7. Es wäre nicht so peinlich, wenn Heise Medien Gruppe nicht sinnverzerrend und unästhetisch wäre. Dieses unschöne Dreigespann von Nomen klingt nicht so, als hätten die Wörter irgendwas miteinander zu tun. Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen:

    Ich esse geren Fleisch, Wurst, Salat und Brot
    und
    Ich esse geren Fleichwurstsalat und Brot

    Die Wörter werden nichtmehr als zusammengehörig wahrgenommen, der Markenwert der Firma sinkt weil der Wiedererkennungswert verschwindet. Somit ist diese Schreibweise sogar schädlich, wenn man sich nicht als HMG vorstellen will.

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