


Wir nehmen mal kurz an, jemand würde sich eine Quizsendung über das eigene Land ausdenken, in der Zuschauer und Teilnehmer vielleicht auch noch auf spielerische Weise ein bisschen Wissen über ihr Land mitnehmen können; Dinge, die sie vielleicht so noch nicht wussten, nur so rein hypothetisch. Und nehmen wir mal – rein hypothetisch – an, das wäre eine Quizsendung in einem traditionsreichen öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm dieses Landes, das für sich auch einen gewissen Bildungsauftrag in Anspruch nimmt. Weiterhin nehmen wir – wieder nur hypothetisch – an, dass es in so einem Quiz auch irgendwie hin und wieder um Kultur geht, hin und wieder gar um klassische Hochkultur wie Opern, klassische Musik und ähnlichen Kram, den man im Unterschichtenfernsehen in manchen Privatsendern erst buchstabieren müsste… Jedenfalls würde man doch wohl möglicherweise in einem solchen Quiz einen gewissen Wert auf die Sprache legen und nicht einfach – rein hypothetisch – die Landessprache gerade so schreiben, wie sie einem passt und auf irgendwelchen Grafiken nett aussieht, sondern wie sie korrekt ist. Oder? Vor allem würde man doch in diesem rein hypothetischen Szenario darauf achten, dass Komposita, die vielleicht nicht jeder im Publikum kennt, so geschrieben sind, dass sie auch als Komposita erkennbar sind – damit sie zum Beispiel nicht etwa krude Fehlinterpretationen erlauben wie „ein Chor aus einem Ort namens Thoman“, „eine Oper aus Semp“ oder „Frau Bibliothek (Vornamen: Anna und Amalia) hat einen Direktor“. Oder? Ich meine, man würde doch auf so etwas achten? Oder etwa nicht?
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Verblödungsministerkonferenzen und akademische Ehren
„Quod licet Iovi, non licet bovi“ – auch wenn vom Lateinunterricht in der Schule nicht viel hängen blieb, dieses Sprichwort hat es vielleicht dennoch geschafft. Es bedeutet in etwa: „Was Jupiter – also der höchste der römischen Götter – darf, darf nicht jedes Rindvieh.“ Nur so ist es zu erklären, dass sich ausgerechnet die Minister, zu deren Bereich das Schulwesen und mithin auch die Vermittlung der korrekten deutschen Rechtschreibung gehört, fröhlich über die Regeln eben dieser hinwegsetzen. Denn auf ihrer Website firmiert die Kultusministerkonferenz keineswegs als solche, sondern als „Kultusminster Konferenz“. Motto: Sollen sich doch die Schüler mit Rechtschreibung rumschlagen – uns ist das völlig wumpe. Zu ihrer Ehrenrettung muss man vielleicht sagen, dass der offizielle Titel dieser Einrichtung nicht „Kultusministerkonferenz“ lautet (und: Nein, auch nicht „Kultusminister Konferenz“), sondern offensichtlich völlig korrekt „Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“, wie ein Blick ins Impressum zeigt.
Mit ähnlich gutem Beispiel geht der Deutsche Akademische Austauschdienst (sic!) voran. Der nennt sich nämlich munter „Deutscher Akademischer Austausch Dienst“. Irgendeiner orthografischen Wildsau – nein, die Dame auf dem Bild hat vermutlich nichts damit zu tun – ist wahrscheinlich sauer aufgestoßen, dass sich die korrekte Schreibung ja nicht in der Abkürzung (DAAD! Versalien!) widerspiegelt. Was tun, wenn man die Abkürzung nicht ändern kann? Ändern wir doch einfach den ihr zu Grunde liegenden Begriff. Ist ja nicht so wichtig.
All das wäre eigentlich verzeihlich. Fehler passieren, größere Webseiten werden von vielen Menschen gemacht, zu deren wichtigsten Qualifikationen nicht unbedingt orthografische Sattelfestigkeit zählen muss. Im Gegenteil. Wenn aber vor satten sieben Jahren (2004) schon ein prominenter Beobachter wie Bastian Sick auf das Problem aufmerksam gemacht hat, dann sollte doch im Umfeld von Institutionen wie KMK oder DAAD jemand anzutreffen sein, der vielleicht sagt: „Ups, da ist uns was durchgerutscht, wird korrigiert.“ Alles andere wäre ja nicht nur peinlich, sondern hochnotpeinlich.
Hurra, ein Brief an Frau Bieber-Fans!
In meinem Posteingang landete heute eine ganz besondere E-Mail – offensichtlich sollte es eine Pressemitteilung sein. Die Anrede lautete: „Liebe Justin Bieber-Fans“. Aus verschiedenen Gründen kann es sich nur um einen Irrläufer handeln. Ich konnte unmöglich damit gemeint sein, und zwar aus folgenden Gründen:
1. Ich heiße nicht Justin. Die E-Mail kann logischerweise nur an einen Herrn mit dem Vornamen Justin und dem Nachnamen Bieber-Fans gerichtet sein – lediglich ein -r wurde vergessen: „Lieber Justin Bieber-Fans“ müsste es also korrekt lauten. Alternativ ist auch denkbar, dass sich das Schreiben an einen Justin und mehrere Bieber-Fans richtet, es wurde in diesem Falle so einiges vergessen: „Lieber Justin, liebe Bieber-Fans…“
2. Ich bin keine Frau. Die E-Mail könnte eventuell auch an eine Dame mit dem Vornamen Justine und dem Nachnamen Bieber-Fans gerichtet sein; in diesem Falle wurde offensichtlich das -e im Vornamen vergessen: „Liebe Justine Bieber-Fans” müsste es also korrekt heißen.
3. Ich soll als ein Fan des Sängers Musikers Teenie-Idols der Twitter-Plage Justin Bieber angesprochen werden, was ich nicht bin. Aber nehmen wir mal an, ich fände ihn ganz famos, so fehlt doch ein ganz entscheidender Bindestrich – immerhin nur einer von zwei notwendigen. Dummerweise ist es exakt der, der verhindert, dass mein Gehirn die Lücke zwischen Justin und dem Bieber reichlich sinnentstellend füllt: Denn natürlich ergänzt jeder halbwegs gebildete Leser, der weiß, dass Justin ein Männername Jungenname ist, ein fehlendes -r und liest „Lieber Justin…“, bevor ihm dämmern kann, was der Texter vielleicht eigentlich meinte schreiben wollte.
Mobile Laptops und Surfen ohne Zeit

Diese Leute bei der Telekom sind wirklich famos. Erst haben sie der Menschheit das mobile Telefon gebracht. Dann haben sie uns auch noch mit dem mobilen Internet beglückt. Aber das hier, das ist wirklich eine Revolution: Es gibt jetzt mobile Laptops. Einfach so das Laptop mitnehmen – dass da vorher noch keiner drauf gekommen ist! Hoffentlich haben sie das zum Patent angemeldet. Denn sonst könnte es ja sein, dass noch mehr Menschen ihre Laptops mit sich herumtragen oder andere Firmen ihrerseits tragbare Computer anbieten, die auch noch mobil – also tragbar – sind. Nur: Warum sollte ich eine Flatrate brauchen, um meinen Rechner mitnehmen zu können? Und was soll dieses groß geschriebene „Surfen“ da? Die meinen doch nicht etwa eine „Flatrate fürs mobile Laptop-Surfen“? Die wäre jedenfalls keine ganz so revolutionäre Erfindung. Wird wohl doch nichts mit dem Patent…

Doch auch für diesen Fall haben die erfinderischen Marketing-Menschen vorgesorgt: Sie haben unglaublicherweise einfach die Zeit im Internet abgeschafft. Denn mit dem neuen Kombi-Tarif, dessen denglische Bezeichnung mir nun leider entfallen ist, kann man nicht einfach nur wie bei der Konkurrenz ohne Zeit- und Volumenbeschränkung, sondern sogar ohne Zeit surfen. Das klingt nach einer tollen Erfindung für Menschen, die chronisch zu wenig Zeit haben. Denn ohne diesen entscheidenden Bindestrich wird sie ja einfach abgeschafft.
Pressekonferenz mit Bayern
n-tv – genau, das ist dieser Nachrichtensender, dessen Internet-Angebot in der Vergangenheit schon häufig durch schlechte Symbolfotos aufgefallen ist. Jetzt fällt der Sender auch dadurch auf, Deppenleerzeichen zu verwenden. Auf der im rechten Bild zu sehenden Bauchbinde findet angeblich eine „Pressekonferenz mit Bayern“ statt, zu sehen ist „Manager Uli Hoeneß“. Nun – in Bayern ist zwar viel vorstellbar. Dass allerdings Uli Hoeneß die Nachfolge von Stammel-Stoiber antritt, wäre zwar womöglich eine Verbesserung, ist aber doch eher unwahrscheinlich.
Grimme Online Award 2007
Am 8. April 2005 schrieb ich bereits über den falsch geschriebenen „Grimme Online Award“ des damals noch namhaften Grimme-Instituts. Das Grimme-Instutit antwortete auf meine Nachfrage, der „Grimme Online Award“ habe den Status eines Eigennamens. Auf die Erwiderung, dass diese Begründung so falsch wie dumm sei, ging man seinerzeit nicht weiter ein.
Lustigerweise endete die letzte Mail des Grimme-Instituts an mich mit den Worten: „Vielen Dank für Ihre abermaligen Anregungen. Wir – und Sie – werden sehen, was wir daraus machen“.
Im Jahr 2007 sehen wir in der Tat, was das altehrwürdige Institut daraus gemacht hat. Zunächst wurde ein Angebot nominiert, das erst gestartet war, nachdem die Nominierungsfrist schon abgelaufen war. Dann wurde ein Angebot nachnominiert, dessen Anbieter selbst in der Jury saß. Und nun wurden die Sieger auf der offiziellen Seite des Grimme-Instituts veröffentlicht – zwei Tage zu früh.
Stefan Niggemeier, einer der Preisträger des Grimme-Online-Awards, fragt sich nun zu Recht, ob er den Award überhaupt haben möchte …
Zum Pudding werden
Auf den ersten Blick handelt es sich bei dieser Grafik um eine ganz normale Werbung, wie sie uns tagtäglich im Internet begegnet. Doch wer genauer hinschaut, den beschleichen schauerliche Gedanken. „Werden Sie auch zum Pudding“. Um Gottes willen – wie viele Menschen mussten schon für Dr.-Oetker-Pudding sterben, weil sie zum Pudding wurden? Ohne Zweifel: Einen Menschen-Pudding möchte ich ganz bestimmt nicht mehr essen …
Du bist Deutschland. Du wirst Trinidad.
Die Fußball-Weltmeisterschaft – nach richterlichem Spruch inzwischen zum Glück auch ohne Trademark-Zeichen – sorgt nicht nur dafür, dass man an jeder auch noch so undenkbaren Stelle mit vollkommen unsinnigen Produkten zugeworfen wird, sondern oft auch, wer hätte das gedacht, für arglos zusammengekleisterte Werbung. Schließlich ist der Zeitdruck sehr hoch, denn die unsägliche Marketing-Aktion Fußball-WM startet in wenigen Tagen.
Da wird dann auch gerne mal übersehen, dass gänzlich sinnlose Sprüche für die Werbung herhalten müssen. „Jetzt Trinidad werden!“ springt uns eine eBay-Werbung an. Nun wird man einwenden können, dass auf dem Werbebanner aber von Trinidad und Tobago die Rede ist. Das stimmt. Allerdings fehlen die Koppelstriche, und ohne die werden „Tobago-Fan“ und „Trinidad“ zu gleichartigen Satzteilen, die wir umstellen dürfen: „Jetzt Tobago-Fan und Trinidad werden!“.
Ich glaube, da ist es doch sinnvoller, Deutschland zu sein.
Mediamarkt steht auf Zulieferer
Die drei allseits bekannten Nervensägen, die für den Mediamarkt werben, offenbaren im Internet-Angebot des Mediamarkts die grausame Wahrheit: Die treuesten Anhänger des Mediamarkts sind noch immer die Lieferanten. Anders kann man den Spruch „Bester Fan Ausrüster“ nun definitiv nicht deuten. Abgesehen davon, dass der Kunde, der der deutschen Sprache mächtig ist, sich hier vielleicht veräppelt vorkommen mag, steht damit ebenfalls fest: Damit holt der Mediamarkt ganz sicher nicht den Titel.
Messenger herunter!
Ob das wirklich der Sinn ist, den uns Microsoft in seinem Werbebanner mitteilen will? âMessenger herunterâ â ist das eine Aufforderung, den MSN Messenger zu deinstallieren? Es würde mich freuen, denn es gibt bei weitem bessere Messenger-Programme. Und: Diejenigen, die den Messenger von ihrem System verbannen, können einen Laden und ein Musikpaket à 10 Euro gewinnen. Ganz sicher dürfte ein Laden zu 10 Euro allerdings nicht sonderlich hochwertig sein.