Du bist Deutschland – aber du kannst deine eigene Sprache nicht

Du bist Deutschland â?? aber du kannst deine eigene Sprache nichtKeine Frage, die Aktion „Du bist Deutschland“ ist eine durchaus sinnvolle Angelegenheit. Allerdings sollte auch jemand einen Blick auf die Rechtschreibung der Internet-Seiten werfen, damit es nicht heißen muss: „Du bist Deutschland – aber du kannst deine eigene Sprache nicht“.

„Zeig uns dein Gesicht und tritt der Deutschland Galerie bei“ – gern, aber nicht mit zwei Rechtschreibfehlern. Denn erstens muss es natürlich „Deutschland-Galerie“ heißen, und zweitens fehlt hier ein Komma: zwischen „Gesicht“ und „und“. Denn: Zwei Hauptsätze werden immer durch ein Komma getrennt, auch wenn sie durch „und“ oder „oder“ verbunden sind.

Kommentar: so bin ich nicht Deutschland.

Kommentar von fischerAppelt Kommunikation GmbH:

Vielen Dank für Ihre anregende Kritik. Nach eingehender Prüfung Ihres Anliegens, können wir Ihnen – durchaus erleichtert – mitteilen, dass an der entsprechenden Stelle auf der Website zwischen Deutschland und Galerie ein Bindestrich steht.
Hinsichtlich der “Komma-Problematik” verweisen wir auf §73 der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung.
Wir wünschen weiterhin viel Freude bei der gründlichen Pflege Ihrer Website
und verbleiben mit freundlichen Grüßen.

Kommentar zum Kommentar:

Der Bindestrich auf Ihren Seiten wurde noch immer nicht entfernt. Doch egal – nachdem bekannt wurde, dass die „Du bist Deutschland“-Kampagne vor „einigen Jahrzehnten“ schon einmal verwendet wurde, kann sich sowieso niemand mehr ernsthaft damit identifizieren.

Mit der Kommaregelung haben Sie recht. Besten Dank.

23 Gedanken zu “Du bist Deutschland – aber du kannst deine eigene Sprache nicht

  1. Kommentar zum Kommentar zum Kommentar: “Recht” wird glaub hier groß geschrieben.. =) ! Nach irgendeinem Paragraph mit passendem Abschnitt

  2. Ich kenne die genaue Regel zur Bildung des Imperativs bei Wörtern wie treten, sprechen oder nehmen nicht, aber der Zwiebelfisch hat darüber eine Kolumne mit dem Titel “Fress oder sterb!” geschrieben.

    Man kann es sich vielleicht ganz laienhaft so merken: Wenn das Wort in der ersten Silbe ein e enthält, wird es im Imperativ zu einem i.

  3. Es sind sogar 3 Fehler, komisch, daß das hier noch keiner bemerkt hat…

    “…der Deutschland-Gallerie bei AUSRUFEZEICHEN” – da es eine Aufforderung ist, “tritt bei!”.

    Heutzutage wird mit Ausrufezeichen um sich geworfen, in mind. 75% aller Fälle sind sie falsch, und, wenn dann mal eines richtig wäre, kommt es nicht; sehr schlimm.

  4. Tja, die Kommasetzung ist für so manche schon eine schwere Sache …

    “Nach eingehender Prüfung Ihres Anliegens, können wir Ihnen (…)”
    (Zitat aus der Antwort der fischerAppelt Kommunikation GmbH)

  5. Und ein Deppenbindestrich hat sich auch noch versteckt im Text. Da sollte wohl ein GEDANKENSTRICH stehen. Ja, das ist ein Unterschied!

  6. @ Eldorado:

    Bloß keinen Apostroph beim Imperativ setzen! Das wäre ein Deppenapostroph! Imperative haben im Deutschen keinen Apostroph.

    Infos dazu: http://einklich.net/etc/apostroph.htm
    (unter dem Punkt “Apostrophenquälerei 3: Der Imperativ-Apostroph”).

    Mit dem “zusammen geschrieben” hast du aber Recht. Eigentlich schon ein bisschen peinlich, dass der Verantwortliche ausgerechnet selbst Deppenleerzeichen setzt …

    VG Axel

  7. PS: Am krassesten auf der Seite finde ich ja den Satz:
    “Du bist im Onlineshop für Du bist Deutschland Lizenz-Produkte. ”

    - “Du bist im Onlineshop für Du bist”?

    Ich musste den Satz mehrmals lesen …

  8. Muss es nicht auch heissen: „Zeig uns _D_ein Gesicht und[…]”
    oder darf man diese Anrede (im Gegensatz zum “Sie”) immernoch
    klein schreiben?

    VG, Nico

  9. anreden duerfen erst seit der rechtschreibreform in briefen klein geschrieben werden. mit der groszschreibung betont man wohl die achtun vor der anderen person.
    wie sich das nun auf den rest der schriftsprache auswirkt weiss ich leider nicht.

  10. nochmal zum Wort Zeig’. Meine Schulzeit ist schon eine Weile her, deshalb kann ich auch nicht sicher sagen, wie es nun richtig ist. Genausowenig (zusammen?) weiss ich wirklich, wie sich die neue Rechtschreibung auf irgendetwas auswirkt. Auch der Begriff ‘Imperativ’ ist mir nicht mehr so geläufig. Trotzdem würde ich darauf bestehen, dass hier ein Apostroph auf das “Zeig” folgen sollte. Denn, soweit ich mich entsinne: ein Apostroph zeigt im Deutschen doch gekürzte Worte an. So müsste es ja ursprünglich “Zeige” heissen. Aus der englischen Sprache falsch übernommen wird es doch im folgenden Beispiel “Marko’s Hose”.

    Würde mich wirklich interessieren.

  11. @ Klausi:

    Bitte schau doch unter dem oben angegebenen Link nach! Dort wird Dir alles über den Imperativ (= die Befehlsform) und den dort NICHT zu setztenden Apostroph gut erklärt.

    Ich schreibe den Link hier auch noch einmal – extra für Dich – auf:

    http://einklich.net/etc/apostroph.htm

    (Sroll dann bitte herunter bis zum Punkt:
    “Apostrophenquälerei 3: Der Imperativ-Apostroph”)

    Gruß, Axel

  12. @ Klausi:
    Für alle Fälle hier das wörtliche Zitat von oben genannter Webseite:
    (http://einklich.net/etc/apostroph.htm)

    ———————————————————————-
    Apostrophenquälerei 3: Der Imperativ-Apostroph

    Die deutschen Verben teilt man, vielleicht erinnerst du dich, in stark konjugierte und schwach konjugierte ein.

    Schwach konjugiert sind die, die ihre Vergangenheit durch ein angehängtes -te bilden: aus ich kaufe wird ich kaufte.

    Stark konjugierte Verben ändern ihren Stamm: aus ich schlage wird ich schlug.

    Das betrifft auf Umwegen auch den Apostroph. Nun ist es nämlich so, dass der Imperativ, also die Befehlsform, bei schwach konjugierten Verben einfach so gebildet wird, dass die Infinitiv-Endung -en wegfällt: aus rennen wird renn!. (Man kann auch renne! sagen, muss aber nicht.)

    Viele Leute scheinen nun das Gefühl zu haben, dass da hinten etwas fehlt, und quartieren daher am Ende des Imperativs einen Apostroph ein:

    Lauf’ mal runter und hol’ das Buch.

    Das ist leider auch nicht artgerecht. Der Imperativ ist schon vollständig, da fehlt nichts, und daher ist auch ein Apostroph hier fehl am Platz – es muss heißen:

    Lauf mal runter und hol das Buch.

    Allerdings ist diese Konstruktion zugegebenermaßen sehr leicht verwechselbar mit dieser:

    Lauf’ Er mal runter und hol’ Er das Buch.

    In diesem Fall ist der Apostroph richtig! „Lauf“ und „hol“ sind jetzt keine Imperative mehr, sondern Konjunktive („er möge herunterlaufen“), die eigentlich „laufe“ und „ hole“ heißen müssten.

    Wenn du es dir nicht zutraust, die (altertümliche) Konjunktivform vom Imperativ zu unterscheiden, dann lass (Imperativ, also nicht lass’) den Apostroph im Zweifelsfall weg.

    Imperative haben im Deutschen keinen Apostroph.

    (Ich könnte hier eine Rettet-den-starken-Imperativ-Seite einfügen, aber ich lasse es erst einmal. Viele Leute bilden nämlich mittlerweile alle Imperative nach der schwachen Regel, was bei starken Verben grausam klingt: es heißt nicht „Les(e) das Buch“, sondern „Lies das Buch“. Aber das ist nur ein Unterphänomen.)
    ———————————————————————-

  13. Axel, vielen Dank! Als Programmierer gehört man sowieso zur besonders gefährdeten Art, nur noch übertroffen von Werbeschaffenden. Je besser mein Englisch, desto mehr verlässt mich mein deutsches Sprachgefühl. Und die Rechtschreibreform hinterlässt bei mir zusätzliche Spuren, die mich verunsichern.

    Also, danke nochmal.

  14. Zu dem Komma beim Und muss ich sagen:
    Es *muss* kein Komma vor einem Und stehen. Zumindest nicht, wenn der zweite Hauptsatz (oder sollte ich besser Haupt Satz schreiben?) in irgendeiner Weise auf den ersten bezieht.

  15. Ihre Fundstücke und Kommentare reizen mich zum Schmunzeln und Weinen – weil Sie so Recht haben. Zu diesem Beispiel der Deutschland-Initiative kann ich beitragen, dass ich weiland ebenfalls eine Korrektur-Mail geschrieben hatte, denn da hieß es auf der Startseite noch: “Zeig uns dein Gesicht und trete der Deustchland Galerie bei”. Man hat mir ähnlich geantwortet wie Ihnen, doch scheint ja zwischenzeitlich immerhin der korrekte Imperativ hergestellt worden zu sein.

  16. Denn: Zwei Hauptsätze werden immer durch ein Komma getrennt, auch wenn sie durch „und“ oder „oder“ verbunden sind.
    Falsch! Man KANN eins setzen, kann es aber auch bleiben lassen.
    Da fällt mir noch was Schönes, was wir letztens in der Deutsch-Vertretungsstunde hatten:
    es heißt “heute _M_orgen” aber “heute _f_rüh”
    und “er hat _S_chuld” aber “er geht _p_leite”

  17. Nun handelt es sich aber ja sowieso nicht um zwei Hauptsätze, die mit einem Komma getrennt werden müssten/sollten, da ein Hauptsatz ja immer aus Subjekt, Prädikat und Objekt besteht, was hier nicht der Fall ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>